Kaffeetrinker können sich freuen: Nach allem, was die moderne Wissenschaft bisher herausgefunden hat, ist das schwarze Gebräu tatsächlich weit mehr als nur ein aromatisches Genussmittel. In einer dampfenden Tasse Kaffee stecken äusserst wirksame Kräfte, die uns nicht nur putzmunter machen, sondern dazu noch erstaunliche Effekte auf unsere Gesundheit und unser Wohlbefinden haben.
Die altbekannten Vorwürfe: Kaffee macht süchtig. Er löst Herzrasen aus, schadet Herz und Kreislauf, verursacht Blutthochdruck, wirkt sich nachteilig auf die Fruchtbarkeit aus und raubt obendrein dem Körper lebenswichtige Vitamine und Mineralstoffe.
Dies alles ist freilich nicht neu. Seit Jahrhunderten stehen Gelehrte mit dem Kaffe auf Kriegsfuss. Im 17. Jahrhundert glaubten Einige, dass der Konsum von Kaffee die Betroffenen geradewegs in die Melancholie stürze. Der Genuss von Kaffee wurde für unerklärliche Blutungen, Angstzustände oder schlechten Schlaf verantwortlich gemacht. Alles zu unrecht, wie wir heute wissen.
Andere Zeitgenossen dagegen hielten Kaffee für ein überaus probates Mittel, um beispielweise Kopfschmerzen zu vertreiben und Magenleiden zu lindern. Ob bei Schwindel oder gestörter Verdauung, bei Nieren- und Gallensteinen, bei rheumatischen Beschwerden - für manche war der Kaffee, den es anfangs hierzulande nur in Apotheken zu kaufen gab, fast so etwas wie eine Allroundarznei, mit der man die unterschiedlichsten Gebrechen zu kurieren versuchte. Bis in vorherigem Jahrhundert hat man dem Kaffee medizinische Funktionen angedichtet. So sollten in den 50 Jahren des XX Jahrhunderts die zu Pulver zermahlenen scharf gerösteten Kaffeebohnen den Haarwuchs auf kahlen Männerköpfen reaktivieren. So war damals dieses Pulver ein gesuchter Artikel im Sortiment von Apotheken.
In einer Londoner Zeitung war 1675 in einer Anzeige zu lesen, dass Kaffe ein sehr gesundes und belebendes Getränk sei, "das die Verdauung unterstützt, das Denken beschleunigt, das Herz leicht macht und gut ist gegen Augenentzündungen, Husten, Erkältung, Schnupfen, Schwindsucht, Kopfschmerzen, Wassersucht, Gicht und Skorbut"
Viele der althergebrachten negativen Behauptungen und Vorurteile sind heute für die Wissenschaft schlichtweg "kalter Kaffee". Schliesslich sind Fachleute in aller Welt heute in der Lage, mit modernsten Analysenmethoden die Inhaltsstoffe des Kaffees auf den Grund zu gehen. So lassen sich die beobachteten gesundheitlichen Effekte weitaus genauer und besser feststellen, als das noch vor Jahrzehnten der Fall war.
In gross angelegten Untersuchungen konnte zum Beispiel wissenschaftlich nachgewiesen werden, dass Kaffee keineswegs dem Herzen schadet, sonder die Herzfunktionen sogar fördert. Stets vorausgesetzt natürlich: Man trinkt qualitativ guten chemisch unbelasteten Kaffee. Kaffee hat einen nachweislich positiven Einfluss auf das zentrale Nervensystem und damit auf die Gehirntätigkeit. Kaffee treibt die Konsumenten nicht, wie dereinst vermutet, blindlings in die Schwermut, sondern ganz im Gegenteil: Kaffee hebt die Stimmung.
Auch für die in den letzten Jahrzehnten häufig geäusserten Befürchtungen, Kaffee könne womöglich Krebs auslösen, gibt es ganz anders lautende Hinweise. Vieles spricht dafür, dass die im Kaffee gefundene Chlorogensäure ein Schutzfaktor vor Dickdarm- und Leberkrebs ist.
Die Befürchtung, Kaffee entziehe unserem Körper übermässig stark Vitamine oder verhindere die ausreichende Aufnahme von Mineralstoffen, ist nach Ansicht vieler Ärzte bei gesunden Menschen, die sich mit einer ausgewogenen Mischkost ernähren, unbegründet.
Wegen seiner anregenden Wirkung ist Koffein in einigen Kopfschmerz- und Migränetabletten und in vielen anderen Medikamenten enthalten, zum Beispiel zur Behandlung von Herzschwäche, Nervenschmerzen sowie bei asthmatischen Anfällen und allergischen Erkrankungen. Ausserdem gibt es homöopathische Zubereitungen aus getrockneten, ungerösteten Samen (Coffea cruda), die bei Schlaflosigkeit, nervösen Herzbeschwerden, Migräne, und krankhaft vermehrtem Harnfluss eingesetzt werden, währen die Homöopathika aus stark gerösteten Samen (Coffea) Schlafstörungen und Nervenschmerzen vertreiben sollen.
Quelle: "Kaffee: Nicht die Bohne ungesund", von Anita Hessmann-Kosaris